Auch Sprache unterliegt den Prinzipien der Evolution. Das behauptet zumindest der Germanistik-Professor Wolfgang Steinig in seinem Buch “Als die Wörter tanzen lernten“. Seine These: “Sprache hat sich nicht entwickelt, um effizient kommunizieren zu können, sondern um auf eigene Fähigkeiten zu verweisen und den Artgenossen glaubwürdig zu signalisieren, welche Qualitäten man besitzt.”
Ein interessanter Gedanke: Haben etwa Menschen die Hochsprachen und damit auch literarische Formen nur entwickelt, um sich im evolutionären sowie im aktuellen Spiel um Ressourcen, Sexualpartner und Macht zu behaupten? Können wir dem Ursprung der Sprache auf die Spur kommen, indem wir beobachten, wie wir heute kommunizieren? Lassen sich die Erkenntnisse der Sprachforschung, der Verhaltensbiologie, der Evolutionspsychologie und anderer Disziplinen so zusammenführen, dass wir zumindest erahnen, wie jenes einzigartige und wunderbare Kommunikationsmittel, die menschliche Sprache, einst entstanden ist und unter welchen Rahmenbedingungen sie sich weiter entwickelt hat? Steiner wendet auf auf der Suche nach Antworten die Kriterien des sogenannten “Handicap-Prinzip” an.
Das Handikap-Prinzip wurde 1975 von den israelischen Biologen Amotz und Avishag Zahavi entwickelt. Es beschreibt kurz gesagt den Umstand, dass derjenige, der sich ein Handicap (einen Nachteil) leisten kann und dennoch den Wettbewerb mit seinen Artgenossen (und Konkurrenten) erfolgreich übersteht, von seiner Umwelt als besonders lebenstüchtig, potent und insofern (vor allem auch sexuell) attraktiv wahrgenommen wird. ( Mehr dazu hier bei Wikipedia)
Ein spannender Ansatz und die Kritik im Deutschlandradio Kultur hat mich neugierig gemacht. Erinnert mich doch einiges an die “Memetik” die erstmalig 1976 durch den Evolutionsbiologen Richard Dawkins in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskurs eingeführt wurde. Dawkins definierte “Meme” als Ideen oder Gedanken, die für die kulturelle Entwicklung die gleiche Bedeutung haben Gene für die biologische Entwicklung.
6.11.2007 bei 20:08
Sehr spannender Blog, gemeinsame Faszination für die Evolutionstheorie - willkommen auf meiner Blogroll! (-;
Sowohl die Ausführungen zur Sprache, sexuellen Selektion wie auch zum Handicap-Prinzip teile ich - hier sind noch spannende Entdeckungen zu erwarten.
Kritischer sehe ich dagegen die “Memetik”, da diese weder über Definitionen noch empirische Studien verfügt und letztlich einen Dualismus statt einen Naturalismus vertritt.
Konkret am Beispiel: während Zavahiri, Steinig, Wilson u.v.m. nach den evolutiven Vorteilen auch kultureller Produktion(en) wie Sprache, Kunst oder Religion suchen, verhalten sich die dawkinschen “Meme” ggf. auch schädlich zur biologischen Natur, ohne deswegen aussortiert zu werden. Ich kenne keinen namhaften Biologen (obwohl ich mit vielen zusammen arbeite), der das (noch) ernst nimmt. Inhaltlich schließe ich mich der Kritik des Evolutionsforschers David Sloan Wilson an Dawkins hier völlig an:
http://www.skeptic.com/eskeptic/07-07-04.html
Aber das ist ja das tolle an der Evolutionstheorie: sie wird immer weiter diskutiert und entwickelt und was sich empirisch nicht bewährt, wird ausgesiebt. Auch ein survival of the fittest! (-;
Herzliche Grüße an einen spannenden Blog!
Michael Blume