Werden schwarze Birkenspanner auf weißer Birkenrinde eher von Vögeln gefressen als weiße Artgenossen? Ja, hat der englische Genetiker Michael Majerus ermittelt.
Der Effekt kann also erklären, warum in Gebieten mit starker Luftverschmutzung, in denen die Birkenrinde eher dunkel denn hell gefärbt ist, auffällig häufig dunkel gefärbte Birkenspanner vorkommen. Und warum sich das Gleichgewicht erneut in Richtung der hellen Variante verschiebt, wenn die Luft wieder sauberer wird.
Kommt Ihnen alles bekannt vor? Richtig! Bernard Kettlewell hatte das Phänomen des “Industriemelanismus” bereits in den 50er-Jahren studiert. Entsprechende Fotos von hellen und dunklen Birkenspannern auf Birken durften lange Zeit in keinem Lehrbuch der Biologie fehlen. Dann wurde auf mögliche Fehler in Kettlewells Experimenten hingewiesen, die amerikanische Journalistin Judith Hooper sah sich genötigt, Faltern und Forschern ein ganzes Buch zu widmen, und Kritiker der Evolutionstheorie sahen sich mit neuer Munition versorgt.
In den letzten Jahren hat Majerus erneut Experimente zur der Falterfrage durchgeführt und dabei sorgfältig darauf geachtet, der durchaus berechtigten Kritik Rechnung zu tragen. Seine Resultate (PDF) hat er in der letzten Woche auf einer Fachkonferenz in Uppsala vorgestellt. Allerdings hat er die Gelegenheit auch genutzt, um mit Hooper abzurechnen und seine Sicht der Welt auszubreiten.